Alte Tradition neu gedacht – ASV Radolfzell revolutioniert den Reiserbau
Die Installation eines Fischreis – einem Konstrukt aus Pfählen und „Reisig“ - ist eine jahrhundertalte Tradition und dient dem Erhalt und der Förderung der Artenvielfalt im Bodensee. Ein Fischreis soll heimischen Fischarten im sonst strukturarmen Bodensee Schutz, Rückzugsort und zugleich Laichplätze bieten. Der Angelsportverein „Frühauf“ Radolfzell e.V. besitzt und bewirtschaftet drei solcher Fischreiser im Zeller See. Eine pflichtbewusste Bewirtschaftung erfordert einen überdurchschnittlich hohen Arbeitseinsatz der Mitglieder. Die Grundstruktur eines Fischreises besteht in herkömmlicher Bauweise aus massiven Holzpfählen, die mit großem Kraftaufwand händisch in den Seegrund gerammt um anschließend mit Reisig und kleinen Holzstämmen befüllt zu werden.

Ein Reiserbau in traditioneller Art und Weise des ASV „Frühauf“ e.V. im Jahr 2008
Nach wenigen Jahrzehnten hat sich dieser Kraftakt jedoch im wahrsten Sinne des Wortes wieder aufgelöst, da dann sowohl das Füllgut als auch die Pfähle schlichtweg verrottet sind und somit eine Wiederherstellung erforderlich macht. Aus diesem Grund wurde am 15.November 2025 eines der drei Fischreiser, das sog. „Herzenreis“ in grundlegend neuartiger Bauart wiederhergestellt. Inspiriert dazu hatten die Schweizer Kollegen. Da es nach aktuellem Wissensstand bisher kein vergleichbares Beispiel auf deutscher Seeseite gibt, spricht der ASV hier von einem Pilot-Projekt. Statt wie gewohnt Pfähle in den Grund zu rammen, wurden zehn massive Stahl-Körbe, bestehend aus verstärkten Baustahlmatten, mit einem Fassungsvermögen von rund 5 m³ hergestellt, mit Obstbäumen und Reisig befüllt und anschließend versenkt. Eine revolutionäre und nachhaltigen Methode.

Ein Reiserbau in moderner Art und Weise des ASV „Frühauf“ e.V. mit Unterstützung eines Kran-Bootes und Tauchern im Jahr 2025
Unsere Vision: eine effizientere, dauerhafte und nachhaltige Lösung.
Darüber hinaus wurden Patenschaften für die einzelnen Körbe angeboten, um somit zum einen das Projekt zu refinanzieren und zum anderen Außenstehende für dieses Thema zu sensibilisieren. Denn auch dem naturverbundenen, leider oft klischeebehaftete Hobbyangler liegen Natur- und Artenschutz durchaus sehr am Herzen, daher sind wir besonders stolz, dass wir von verschiedenen regionalen Unternehmen Zuspruch und Unterstützung erfahren durften. Ein riesiges Dankeschön gilt es also zunächst allen Unterstützern und Förderern auszusprechen.

Ein Teil der Korb-Paten und Mitglieder des Projekt-Teams
· Herr Müller von Obsthof Müller
– für die großzügige und pragmatische Spende des Füllguts
· Markus Hagen von Joos GmbH Abbruchunternehmen
– für die Mithilfe beim Transport des Füllguts
· Abbruch- und Transportunternehmen Bader
– für die Mithilfe beim Transport des Füllguts
· Zimmerei Leiz
– für die Leihgabe eines Ponton-Bootes
· Nick Wolf von Wolf Edelstahl
– für die Herstellung und Spende der Korb-Beschilderung und Unterstützung und Umsetzung des Korb-Baus
· Waldemar Pik von Ebner Metall
– für die Bereitstellung eines Krans und Unterstützung und Umsetzung des Korb-Baus
· Mike Rieder von Landmetzgerei Rieder
– für die Patenschaft eines Korbes
· Patrik Schellhammer von Tischler am See
– für die Patenschaft eines Korbes
· Thomas Turkovic von Elke Plastic GmbH
– für die Patenschaft eines Korbes
· Stefan Lessmeister von Fisherman‘s Partner Radolfzell
– für die Patenschaft eines Korbes
· Mariola Kozlowska vom Restaurant im Anglerheim
– für die Patenschaft eines Korbes
· Erich Manz von Manz Immobilien
– für die Patenschaft eines Korbes
· Moritz Bohl von Bohl Gartenbau
– für die Patenschaft eines Korbes
· Michael Wickert von Glut & Späne
– für die Patenschaft eines Korbes
· Michael Widmann
– für die Patenschaft eines Korbes
· Frank Stockhaus
– für die Patenschaft eines Korbes
· Alexander Brielmann
– für die Spende
· Günther Kilian von Trophyka
– für die Spende
· Anna-Maria Schneider vom Südkurier
– für die gute Pressearbeit
· Alle Vereinsmitglieder mit ihrem entsprechendem Arbeitseinsatz!
Darüber hinaus wäre dieses Projekt auch ohne die großartige Hilfe aller beteiligten Mitglieder, angefangen beim Projekt-Team, über die vielen helfenden Hände an den Arbeitseinsätzen, bis hin zum Transport- und Taucheinsatz, nicht realisierbar gewesen. Dem externen Taucher-Team gilt unser besonderer Dank und Respekt; sie haben ihre herausfordernde Aufgabe souverän gemeistert und somit einen reibungslosen Ablauf beim Versenken der Körbe gewährleistet.

Das Taucher-Team: Bertram Stetter, Ralf Haas, Mathias Hug, und Volker Schilling (auf dem Bild fehlt Daniel Schüle)
Ein herzliches Dankeschön auch der Zimmerei Leiz, die uns ein Ponton-Boot zur Verfügung gestellt hat, welches als Arbeitsplattform genutzt werden konnte.
Abschließend möchten wir uns noch bei den zuständigen Fachbehörden bedanken: mag der Weg der Genehmigung auch lang und steinig gewesen sein, führte uns dieser, dank eines transparenten und vertrauensvollen Austauschs auf Augenhöhe und der Offenheit aller Beteiligter, schließlich zum Erfolg!
Nun bleibt es abzuwarten und den Fischen Zeit zu geben, ihren neuen „safe-place“ anzunehmen. Es ist geplant, mithilfe weiterer Tauchgänge ein Monitoring zu betreiben, um herauszufinden, ob dem Pilot-Projekt weitere folgen. Immerhin warten noch zwei weitere (und vielleicht auch vereinsübergreifend viele weitere) Fischreiser auf eine Wiederbelebung dieser Art. Langfristiges Ziel soll sein, die Körbe regelmäßig mit relativ geringem Aufwand von oben neu zu befüllen. Die Körbe selbst sollen noch unserer nachfolgenden Generation dienen und vielleicht sogar darüber hinaus…
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